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Unarten- was tun?

Dein Pferd, das unbekannte Wesen

 

„Der Bock reißt den Kopf immer so hoch. Da geht ohne Schlaufzügel gar nichts…“.
„Ohne Ausbinder kann ich mich nicht ins Gelände wagen. Die Zicke ist so guckig…“
„Den Stoßzügel brauche ich mindestens, damit ich mich einigermaßen sicher fühlen kann. Der Zosse geht mir sonst durch…“.
„Was denkst du, wie der Blödmann mit dem Kopf schlägt, wenn ich den Martingal nicht eingeschnallt habe…“.

Und? Merkst Du was?
Jeder der Angesprochenen verteidigt seine Hilfszügel mit den Unarten seines Pferdes, das er auch noch mit Schimpfnamen belegt.
Es gilt aber: Je weniger Leder, desto besser der Reiter!
Dieser Spruch stammt nicht von mir, und ich weiß auch die Quelle nicht mehr. Aber er hat sich tief in mein Bewusstwein eingegraben, und ich habe mich immer daran gehalten.

Das Beispiel Maximus, genannt Max

Er war wirklich der „Größte“. Ein wunderschöner Fuchs, der meinem Mann gehörte. Er hatte ihn von Berlin mit nach Hamburg genommen und dort eine Dressurreiterin als Reitbeteiligung gehabt. In dieser Zeit hatte sich Max eine Untugend angewöhnt, die ich, als er wieder in Berlin war und ihn dort betreute, sehr plötzlich zu spüren bekam.
Bei unserem ersten Ausritt saß ich entspannt auf seinem Rücken und ließ ihn grasen. Aus nicht allzu weiter Ferne hörte ich eine laute Reiterschar vorbeiziehen. Max auch. Und bevor ich’s recht begriffen hatte, raste er im Galopp auf die hölzerne Bande, die die Wiese umgab, zu, drehte jedoch blitzartig nach links und sauste durch die schmale Öffnung auf einen breiten Sandweg und galoppierte, was das Zeug hielt bis zum Stall. Das war nicht ganz ungefährlich und auch nicht üblich.
Also musste ich mich damit rechtfertigen, dass Max durchgegangen sei.
Daraufhin wurden ich, der riesige Max und sein Zaumzeug kritisch beäugt. Das Ergebnis waren dann Ratschläge, die darin gipfelten, dass ich dieses Pferd doch nicht nur mit einem Reithalfter und einer einfachen Wassertrense reiten könne. „Also mindestens einen Sperriemen und eine Kandare. Oder ein Chambon.“
Nun, ich folgte den gutgemeinten, Tips aus zwei Gründen nicht.
1. weil ich glaubte, die johlenden Reiter hätten ihn erschreckt und das sei ein einmaliger Ausrutscher gewesen.
2.weil ich meine Prinzipien nicht verraten wollte.
Beim nächsten Ausritt war ich dennoch etwas aufmerksamer, und als mein Max sich wieder urplötzlich glaubte in Galopp setzen zu müssen, ließ ich ihn solange laufen, bis ihm die Lust  daran verging. Und dann sagte ich: „So, mein Freund, nun will ich, dass du weitergaloppierst!“ Ich trieb ihn an, bis ich das Gefühl hatte, dass er wirklich nicht weiterkonnte. Ich ließ ihn Schritt gehen, und so kamen wir gesittet zurück in den Stall.
Noch zweimal haben wir dieses Spielchen wiederholt.
Dann hatte Max wohl begriffen, dass ich kein Feind war, den er loswerden müsse; zumal ich ihn ja auch täglich betreute.

Fazit: Natürlich weiß ich nicht genau, was Max in Hamburg erlebt hat, dass ihn zu diesem Verhalten gebracht hat. Aber ganz genau weiß ich, dass, hätte ich ihn mit Kandare und Hilfszügeln getriezt, er wohl ein Durchgänger geblieben wäre. Denn er hätte ja recht behalten mit seiner Vorstellung von mir, dass ich ein scheußliches Wesen sei.

 

 

 


 



 

 







 

Meine Anschrift:

Jutta Schroer

Beratungsservice rund um’s Pferd

Streganzberg 4

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